Tiere hautnah erleben

Der Tierpark Bern mit dem Dählhölzli ist klein aber fein. Unter dem Motto «mehr Platz für weniger Tiere» erleben die Gäste die rund 200 verschiedenen Tierarten in ihren natürlichen und grosszügigen Anlagen. Gerade im Herbst, wenn sich die Natur vor dem Winter nochmals in ihrer ganzen Pracht präsentiert und die Jungtiere schon etwas grösser sind, ist es besonders aufregend im Berner Familienzoo. Eine eindrückliche Safari vor der Haustür ist der Besuch des stilvoll angelegten Vivariums mit exotischen und gefährdeten Tieren. Mit seinem breitgefächerten Rahmenprogramm für Jung und Alt sowie auch für Schulklassen sorgt der Tierpark Bern für viele nachhaltige Tiererlebnisse.

(Bilder: zVg) Das ussurische Braunbärenpaar – ein Geschenk des russische Staatspräsidenten Dmitrij Medwedew und seiner Gattin 2009 – in seiner grosszügigen Freiluftanlage.

Geduldig wartet das ussurische Braunbärenpaar – ein Geschenk des russische Staatspräsidenten Dmitrij Medwedew und seiner Gattin 2009 – in seiner grosszügigen Anlage auf das Mittagessen. Ein Zaun trennt das Paar noch von den Leckereien, die die Tierpflegerin in der Nebenanlage versteckt hat. Und dann geht es los. Die grossen Tiere stürmen los, immer der Nase nach und Volltreffer – die Nahrungssuche ist erfolgreich. «Es ist uns ein Anliegen, das unsere grossen und kleinen Gäste ein intensives Tiererlebnis erfahren. Dazu müssen sie die Tiere möglichst authentisch in ihrer natürlichen Umgebung erleben können. Unsere Bären beschäftigen sich mit Futtersuchen, Klettern, Graben oder Faulenzen», erklärt Doris Slezak, Leiterin Kommunikation des Tierparks Bern. «Dies wiederum bedingt grosse Anlagen, wo sie sich wie in der Wildnis begegnen und verhalten können.» Dementsprechend hat das Tierwohl und laufende Haltungsverbesserungen im Tierpark oberste Priorität. Dazu Slezak: «Dies ist eine Voraussetzung, nur so können wir unseren Gästen emotionale und nachhaltige Erlebnisse mit unseren Tieren garantieren.»

Exoten bis heimische Tiere
Das Dählhölzli präsentiert 231 Tierarten. Die meisten Tiere stammen aus verschiedenen nationalen und internationalen Zoos oder Tierhaltungen. «Die Zoos sind weltweit miteinander vernetzt und wir tauschen Tiere untereinander aus. Eine gute Haltung sowie ein schonender Transport sind dabei selbstverständlich», sagt Slezak. Im Herzen des Tierparks befinden sich die «Nordischen Anlagen». Sie beherbergen Tiere wie Eisfüchse, Seehunde und die in der Schweiz einmaligen Moschusochsen, deren Jungtier zurzeit alle Herzen entzücket. In der «Papageitaucherhalle» reisen die Gäste weiter nach Island und können die faszinierenden «Pinguine des Nordens» beim Unterwasserflug erleben, wenn sie auf Fischfang gehen. Das Berner Wolfsrudel lebt in einer hügeligen Wald-Felslichtung an einem plätschernden Bach. Elch, Wildkatze, Leopard und Wisent sind weitere Tierarten, die im Dählhölzli beobachtet werden können.

Das Riff im Dählhölzli: Rund 700 Korallenarten, Anemonen und bunte Fische verzaubern die Zuschauer mit ihrer Farbenvielfalt.

Exotische Tiere wie Krokodile, Leguane und Schildkröten sowie verschiedene Affenarten aus dem Regenwald Süd- und Mittelamerikas ermöglichen einen Abstecher in die Subtropen und Wüsten. Bei allen vier Affenarten hat es dieses Jahr Jungtiere gegeben, ein Affentheater ist garantiert. Eine Lodge mitten im Urwald lädt die Besucher auf eine abenteuerliche Safari ein, auf der man die Totenkopfaffen genaustens beobachten kann.

Tier mit allen Emotionen erfahren
Besondere Perlen im Tierpark sind die grossen tropischen Wasserlandschaften im Vivarium: Dank seiner speziellen Bauweise, taucht der Besucher in den «Amazonas» ein. Pflanzen zu Land und Wasser verwachsen miteinander und bilden für Piranhas und Südwasserstachelrochen einen abwechslungsreichen Lebensraum. Weiter geht der Tauchgang in ein grosses Korallenriff, das die Wasserwelt der Karibik, Australiens und der Malediven präsentiert. Rund 700 Korallenarten, Anemonen, bunte Fische, wie beispielsweise der Clownfisch sowie Doktorfische, verzaubern die Zuschauer mit ihrer Farbenvielfalt. Abschliessend taucht man in die Wälder der «Mangrove», wo der Vieraugenfisch und der Schützenfisch zuhause sind.

Ein Affentheater ist garantiert: Die Totenkopfaffen mit Jungtieren.

Mit heimischen Tierarten wie dem Biber und dem Fischotter gelangt man wieder nach Hause. Schon bald gibt es im Dählhölzli wieder den Waldrapp zu erleben. Der «schräge» Vogel mit dem roten Kopf ist in der Schweiz ausgestorben. «Zusammen mit anderen Schweizer Zoos helfen wir den Vogel wieder anzusiedeln und Jungtiere für die Auswilderung zu züchten», sagt Slezak.

Gemäss Doris Slezak brauche es gerade in der heutigen Gesellschaft Zoos und Tierparks, hat sich doch die Beziehung zum Tier beispielsweise mit der Vermenschlichung der Haustiere massiv verändert. «Hier können wir das natürliche Verhalten der Tiere zeigen, Nahrungssuche, Aufzucht der Jungen und ähnlichem», sagt die Biologin. Und sie ergänzt: «Unsere Gäste können hier die Nähe zum Tier mit all ihren Sinnen erfahren. Solche emotionalen Erlebnisse bleiben nachhaltig und kommen den Tieren respektive bedrohten Tierarten zugute – denn was man liebt, schützt man.» Das Dählhölzli ist auch ein Ort der Entschleunigung, wo man dem Alltag für ein paar Stunden entfliehen und die Ruhe der Natur geniessen kann.

Das Jungtier der Moschusochsen entzückt zurzeit die Herzen der Gäste.

Tierische Pädagogik vom Kindergarten bis ins Erwachsenenalter
Der Tierpark bietet ein breitgefächertes Rahmenprogramm für Klein und Gross. Kinder im Vorkindergartenalter können als «Dählhölzli Forscher» kindgerecht und auf spielerische Art und Weise die verschiedenen Tiere entdecken. Kindergeburtstage, Führungen unter dem Titel «Raubtiere zum Greifen nahe», diverse Ferienangebote wie Übernachtungen oder Lager im Zoo sind nur einige Möglichkeiten, um in der besonderen Berner Erholungsoase an der Aare spannende Stunden zu verbringen. Der Tierpark Bern bietet auch als ausserschulische Lernorte vielfältige, stufengerechte Angebote, die für jede Klasse viel Aufregendes zu bieten hat. Dabei sollen die Schüler Tiere aus einer etwas anderen Perspektive beobachten, erforschen und begreifen. Und sie erfahren auch, dass die Natur nicht immer schön, sondern auch unerbittlich sein kann. «Mit artgemässer Haltung und professioneller Betreuung von Wildtieren wollen wir den Schülern den richtigen Umgang mit Tieren und den nötigen Respekt für deren Bedürfnisse aufzeigen. Gerade Kinder und Jugendliche, welche selber Tiere halten möchten, lernen so, was es heisst, den Ansprüchen von Tieren gerecht zu werden.» Tafeln, Touchscreen, Spiele und so weiter dienen der Weitergabe von Informationen zu den Tieren selbst, ihren Lebensgewohnheiten, ihrem Lebensraum, ihrer Bedrohung und vieles mehr. «Wir wollen als moderner Zoo mit stets aktuellen und qualitativ hochstehenden Informationen an die Gäste dazu beitragen, dass Menschen sich Gedanken über den Schutz von Tieren und deren Lebensräumen mache und sich in der Folge auf für deren Erhaltung einsetzen», betont Slezak.

Corinne Remund

www.tierpark-bern.ch


TIERPARK BERN

Der Tierpark Bern besteht aus dem Dählhölzli und dem BärenPark. Seit 1513 werden in Bern Bären an verschiedenen Standorten in der Stadt in Gräben gehalten. Das Wappentier der Bundehaushauptstadt lebt nun seit 2009 in einer grosszügigen Anlage am Aarehang. Der BärenPark Bern ist als Naherholungsgebiet am unteren Ende der Altstadt von Bern für alle Gäste rund um die Uhr kostenlos erlebbar.

Rund die Hälfte des Dählhölzli ist frei zugänglich oder einsehbar, so die Anlagen an der Aare, der Kinderzoo und die Luchsanlage, der Wisentwald und die Flamingo-Anlage. Der Dählhölzli-Zoo mit dem Vivarium und den dahinterliegenden Freiluftanlagen von Braunbären, Leoparden, Wölfen, Elchen, Seehunden, Moschusochsen und vielen anderen, sowie dem Steg in den Wisentwald ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet.

Öffnungszeiten
März – Oktober: 8.30 – 19 Uhr
November – Februar: 9 – 17 Uhr

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